Klaipeda & Umgebung

Klaipeda
Klaipeda ist die älteste Stadt in Litauen und liegt an der Ostseeküste. Die Litauer waren die letzten Heiden in Europa und so wurde hier im Rahmen der Christianisierung die Memelburg gebaut. Wussten Sie, dass damals der Einfluss der Dortmunder Kaufleute so groß war, dass man überlegt hatte, die Stadt Memel/Klaipeda Neu-Dortmund zu nennen? Vielleicht kennen Sie ja sogar heute noch einige der Wörter, die damals gang und gäbe waren?
Die Stadt Memel/Klaipeda gehörte damals zu Preußen und durch den Handel mit den unterschiedlichsten Ländern, aber auch mit Litauen, entstand die einzigartige Kultur dieser Region. Trotz der Grenze zu Litauen konnte man die Menschen auf beiden Seiten vom Handeln nicht abhalten und somit auch nicht den Austausch der Sitten und Bräuche verhindern.
Der Hafen der Stadt Memel/Klaipeda war damals der Fluss Dane. Hier ist Königin Luise spazieren gegangen, als Memel/Klaipeda ein Jahr lang die Preußische Hauptstadt war. Königin Luise und König Friedrich Wilhelm III haben direkt am alten Hafen, im heutigen Rathaus von Klaipeda gewohnt. Vielleicht möchten ja auch Sie, wie Königin Luise, am Hafen spazieren gehen, auf dem Markt einkaufen oder in einem der alten Lagerhäuser leckeres litauisches Essen zu sich nehmen? Wenn Sie möchten, können Sie aber auch einfach nur innehalten und dem Treiben der Stadt zusehen.
Schauen Sie sich den Brunnen vom berühmten Ännchen von Tharau in Klaipeda an und lauschen Sie ihrer Geschichte. Oder spazieren Sie durch die alten Straßen der Stadt Klaipeda mit den, für Litauen, ungewöhnlichen Fachwerkhäusern.

Kurische Nehrung
Haben Sie schon einmal von der Kurischen Nehrung gehört?
Die Kurische Nehrung ist eine 98 km lange Landzunge zwischen Klaipeda / Litauen und Lesnoje / Oblast Kaliningrad. 52 km der Kurischen Nehrung gehören heute zu Litauen. Wenn Sie sich die Kurische Nehrung jedoch genauer anschauen, dann sehen Sie, dass sie vieles mehr ist. Sie ist eine Insel voller mystischer Geschichten und des wandernden Sandes. Wussten Sie, dass eine Wanderdüne 1-10 Meter pro Jahr wandert? Auf der Kurischen Nehrung wurden 14 Dörfer unter den Wanderdünen begraben. Die Große Düne bei Nida ist eine der größten Dünen Europas und wird deshalb auch die ostpreußische Sahara genannt.
Erfahren Sie mehr über die Zeit, als die preußische Königin Luise auf der Flucht vor Napoleon in Nida übernachtete und von dem Schwiegermutterberg, auf dem der berühmte Schriftsteller Thomas Mann sein Ferienhaus baute. Hören Sie Geschichten über den Rabenfang und die Rabenbeißer oder beobachten Sie die Kormorane auf einer der größten Kormoranenkolonie Europas. Erholen Sie sich an dem 52 km langen Strand der Kurischen Nehrung, der laut "Lonely Planet" zu den 10 schönsten Stränden Europas gehört, sammeln Sie baltisches Gold – Bernstein, beobachten Sie im Nationalpark Kurischer Nehrung die Vielfalt von Pflanzenarten und Vogelarten oder erleben Sie eine Familie von Elchen oder auch Wildschweinen hautnah. 

Palanga
Die kleine Stadt Palanga ist ein beliebter Kurort an der Ostsee, der ca. 25 km nördlich der Bezirkshauptstadt Klaipėda (dt. Memel) und etwa 350 km nordwestlich der litauischen Hauptstadt Vilnius liegt. Bis zur lettischen Grenze sind es weniger als 20 km. Palanga ist auch der größte Badeort Litauens, sein Strand zieht sich auf einer Strecke von etwa 24 km von Klaipeda bis an die lettische Grenze. Dem Parkstrand ist ein Zertifikat der blauen Fahne verliehen worden. Die Stadt wird jährlich von mindestens 2,5 Mio. Gästen besucht. Doch die meisten der zahlreichen Besucher kommen nicht nach Palanga, um die Stadt zu besichtigen, sondern vielmehr zur Erholung. Ein Spaziergang lohnt sich jedenfalls, da man immer wieder auf Skulpturen aus der litauischen Sagen- und Märchenwelt stößt, und die Stadt sehr gepflegt und mit viel Grün ausgestattet ist. Nun begeben Sie sich auf eine Reise durch das kleine Städtchen:
  • Beginnen Sie mit dem 1897 nach einem Entwurf des Berliner Architekten Franz Schwechten im neoklassizistischen Stil erbauten, ehemaligen Palast des Grafen Feliks Tyszkiewicz. Hier ist seit 1963 das Bernsteinmuseum untergebracht, das von einem gepflegten Botanischen Garten umgeben ist. Das Museum ging aus einer kleinen Ausstellung von 32 Stücken hervor, die der Graf in seinem Billardzimmer gezeigt hatte. Heute umfasst es ca. 18 000 Exponate, darunter etwa 3,5 kg schweren Sonnenstein aus baltischem Bernstein, über tausend prähistorische Schmuckstücke aus Bernstein und eine der größten Inklusensammlungen der Welt.
  • Der Botanische Park Palanga ist einer der schönsten Parks in Osteuropa im landschaftlichen- und englischen Stil mit klassizistischen Planungselementen. Zurzeit ist die Fläche des Botanischen Parks 101,3 ha groß, von der seine Baumanlagen 60 ha, die Wiesen – 24,5 ha und die Blumengärten – 0,5 ha ausmachen. Im Park stehen 8 Gebäude von verschiedener Bestimmung, eine 1000 qm große Orangerie, 9 Skulpturen, viele Formen der Kleinarchitektur. Im Sommer finden im Park traditionelle Veranstaltungen statt: Kammerkonzerte auf der Terrasse des Bernsteinmuseums und im Kaminsaal, Poesieabende und Konzerte der Blasorchester, ethnographische Feste und andere Veranstaltungen.
  • Ein weiterer Glanzpunkt des Parks ist Birutes Berg und seine Umgebung. Dieser Berg war eine heilige Stätte der alten Balten mit ewigem Feuer und wird bis heute als heilig gehalten.
  • Die katholische Kirche der Himmelfahrt Maria ist von 1897 bis 1907 nach einem Entwurf des schwedischen Architekten K. E. Strandmann als neugotischer Backsteinbau in der Form eines lateinischen Kreuzes mit einem 76 Meter hohen Turm errichtet worden. Das weitere sehenswerte Gebäude – das 1877 erbaute und 1905 / 1909 bis 1914 erweiterte Kurhaus Palanga, das nach einem Brand 2012 im Jahre 2014 wiederaufgebaut wurde.
  • Eines der eindrucksvollsten Gebäude der ersten Hälfte des 19. Jh. war das hölzerne Gebäude der ersten Apotheke von Palanga, die immer noch im Betrieb ist. Hier wurde so genannte berühmte Kräuterschnapps “Trejos devynerios“ („3 mal 9“) aus 26 Kräutern produziert. Das alkoholische Getränk wurde nicht nur als Getränk, sondern auch als ein universelles Arzneimittel gegen Erkältung und zur Behandlung von Wunden sowie Tonisierung des Organismus verwendet.
Nach dem Sie es gewagt haben, das Getränk auszuprobieren, begeben Sie sich auf die berühmte Fußgängerzone zum Strand – die Hauptader der Stadt. Die Promenade heißt heute J. Basanaviciaus Straße, wurde im Jahre 1877 gebaut, als die Grafenfamilie Tiškevičiai begonnen hat, den Kurort zu erweitern (damals trug sie den Namen des Tyszkiewicz-Boulevards). Hier kann man fast einen Kilometer zwischen Restaurants, Kneipen, Spielkarussels und Straßen-Musikern flanieren. Die Straße endet mit der 1997 errichteten und 470 Meter langen Seebrücke, die an den Abenden zur romantischen Promenade wird. Es gibt nichts Großartigeres als eine wundervoll untergehende Sonne von der Seebrücke zu beobachten, um Ihre Seele zu inspirieren. Dabei wird Ihnen leise die Ostsee einflüstern, wieder nach Palanga zu kommen...
 
Memelland
Als Memelland oder Memelgebiet (Litauisch: Klaipedos krastas) bezeichnet man ein 2 656,7 km² großes Territorium mit der 140 km Länge und 20 km Breite nördlich des Flusses Memel, welches gemäß dem Versailler Vertrag von Ostpreußen abgetrennt und an den Vertreter der alliierten Mächte – Frankreich von Anfang 1920 bis Anfang 1923 zur Verwaltung abgegeben wurde.
Von 1923 bis zum 1939 gehörte das Gebiet Litauen, von 1939 bis zum 1945 – Deutschland und nach dem Zweiten Weltkrieg – der Sowjetischen Union. Diese historische Region ist bis heute mit besonderen Schicksalen verbunden und beinhaltet Orte, an denen die Vergangenheit noch spürbar ist.  Ein Besuch ins Memelland ist jedenfalls wert, denn hier gibt es viel zu sehen und zu erleben:
  • Die memelländischen Fischerdörfer Dreverna (Deutsch: Drawöhnen), Svencele (Schwänzelen), Kintai (Deutsch: Kinten) und Sturmai (Deutsch: Sturmen), romantisch am Haff gelegen. Dreverna ist besonders bei Kitesurfern und Seglern beliebt und verfügt über einen Hafen der kleinen Schiffe. Hier besichtigt man einen authentisch gebauten historischen Kurenkahn und den 15 Meter hohen Aussichtsturm, der einen herrlichen Panoramablick bietet - nicht nur auf die Umgebung, das Kurische Haff, sondern auch auf die Toten Dünen der Kurischen Nehrung. Kintai wird Geburtsort der verzierten Wimpel genannt, hier kann man den wahren Stolz der Einheimischen bestaunen: den zweitgrößten  Thuja-Baum (18 Meter hoch) in Europa. Im Südosten von Kintai befindet sich der Nemunas-Delta-Regional-Park, nördlich von Kintai –  der naturbelassene Wald und das Botanische Reservat. Auch die kleinen Dörfchen Sturmai, und vor allem Svencele ziehen viele Reisenden, besonders Wassersportliebhaber, an: der Wind, das Haff, die Sonne, die wilde Natur und natürlich das Panorama der Kurichen Nehrung…
  • Die Vogelberingungsstation am Windenburger Eck (Litauisch: Ventes ragas), die im Jahr 1929 von dem Ornithologen Tadas Ivanauskas errichtet wurde. Bis heute hat das Windenburger Eck eines der höchsten Aufkommen der durchziehenden Zugvögel in Europa. Bis zu 300 000 Vögel pro Tag fliegen diese Landzunge durch. An Rekordtagen sind es bis zu einer Million Vögel! Jedes Jahr werden hier von 60 000  bis 80 000 Vögel beringt.
  • Das idyllische Fischerdorf Minge (auch Minija, Mine genannt) mit nur knapp 30 Einwohnern, geteilt durch den Fluss, der gleichzeitig die Hauptstraße darstellt. Wegen der wunderschönen und einzigartigen Landschaft wird Minge „das kleine Venedig Litauens“ benannt.
  • Die einzige Insel Litauens Rusne (Deutsch: Ruß) mit einer Fläche von 47 km2 und fünf Dörfern: Skirvyte, Vorusne, Pakalne, Syskrante und Uostadvaris (Deutsch: Skirwietell, Warruß, Pokallna, Schießkrandt und Kuwertshof). Unmittelbar südöstlich von Rusne verläuft die Grenze zur russischen Oblast Kaliningrad. Ein Rundgang mit Besichtigung der Hauptsehenswürdigkeiten wird den Tag des neugierigen Reisenden sicher mit unvergesslichen Fotos bereichern: die Evangelische Kirche, das historische Postgebäude, die Reste der berühmten Petersbrücke, die alten Holzhäuser aus dem 19. Jh., das ethnographische Fischergehöft, das Denkmal an Mahatma Gandhi und Hermann Kallenbach. Auch ein Abstecher nach Uostadvaris (Deutsch: Kuwersthof), um den historischen Leuchtturm und die denkmalgeschützte Pumpstation zu besichtigen, ist nicht zu vergessen.
  • Die Stadt Silute (Deutsch: Heydekrug) mit vielen interessanten historischen Kulturdenkmälern: der alte Marktplatz, das Hugo-Scheu-Museum, das Postamt und das Feuerwehrhaus; das in das Kulturgüterregister eingetragene ehemalige Gefängnis; der Bahnhofkomplex mit dem erhalten gebliebenen Wasserversorgungsgebäude sowie Lager- und Bahnarbeiterhäusern; die Evangelische Kirche mit dem einzigartigen Altarbild von R. Pfeiffer, das 140 verschiedene berühmte Persönlichkeiten, wie z. B. Bach, Luther, zeigt und die Geschichte der Welt darstellt.
  • Besuchen Sie Aukstumala, ein bekanntes Hochmoor unweit von Silute, im Regionalpark Nemunas-Delta (Ortskoordinaten N 55 ° 23′16 ″ E 21 ° 21′08 ″). Der westliche Teil ist noch sehr gut erhalten. Im östlichen Teil wird noch Torf abgebaut. Der im Hochmoor Aukstumala eingerichtete Erkundungspfad bietet eine seltene und einzigartige Gelegenheit, das berühmte Hochmoor kennenzulernen, die ihm charakteristischen Pflanzen und Tiere, die einzigartige Schönheit der Landschaft zu erleben und zu verstehen, dass das Moor eines der wenigen verbliebenen Zuhause für äußerst seltene Feuchtgebietspflanzen und -tiere ist. Lassen Sie sich von einem Führer in die Tiefen des wunderschönen Ortes entführen.
Das alte und das neue Memelland – ein Ort der Erinnerungen, der Nostalgie und der sich verflechtenden Geschichte Litauens und Deutschlands wartet auf Sie!
 
Urheber der Bilder:
©M.Gricenas_LithuaniaTravel, ©M.Jovaisa_LithuaniaTravel, ©R.Anusauskas_LithuaniaTravel
Texte: ©UAB "BaltTours", 2020

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